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Nachgefragt:

Mittwoch, 02. Sep. 2009

Nachgefragt zu: Tauziehen um Flughäfen

 
Die Zukunft der Flughäfen in Arad und Timisoara hält seit Tagen die Schlagzeilen der Medien, vor allem jener aus dem Banat. Die Frage, ob eine Fusion der beiden Sinn mache, oder nicht, stellt sich derzeit in den Kommunalräten, in öffentlichen Debatten (Für morgen Abend ist eine solche in Timisoara angesagt.), in Vereinen und am Stammtisch. Die Meinungen sind selbst in Timisoara geteilt, obwohl es nicht nur auf den ersten Blick so aussieht, als würde eine Fusion der beiden Airports zum Nachteil jenes in Timisoara ausgehen. Das Verkehrsministerium als Hauptträger will auf jeden Fall diesen Zusammenschluss. (Wir berichteten in den letzten Tagen).

Dazu befragten wir den Piloten und Fluglotsen Christian Pieper, da wir auch einen zwar von Außen kommenden, aber nicht befangenen Fachmann hören wollten.

Einiges aus der Biografie des 1971 geborenen Christian Pieper. Er ist seit 2006 Fluglotse und Berater des Flugplatzes Emden, seit 2007 Fluglehrer bei der Flugschule der Deutschen Lufthansa (Intercockpit) in Zadar (Kroatien) und Vero Beach (Florida/USA) als freier Mitarbeiter. Seit 2009 Hobbyfluglehrer auf Ultraleicht bei NOWAS in Leer, und seit 2004 Rumänienfan mit Luftfahrtambitionen - impliziert in das Projekt private Flugschule in Ineu, Verwaltungskreis Arad.


Christian Pieper antwortete auf unsere Nachfrage: "Nach meinen Recherchen hatte der Flughafen Timisoara im Jahr 2008 genau 957.000 Passagiere und damit 14 Prozent mehr Gäste als im Jahr 2007.
Der Flughafen Arad hatte 130.000 Gäste (und nicht wie behauptet 77.000) und damit 93 Prozent mehr Gäste als im Jahr 2007. Nimmt man also die reinen Zuwachsraten und die Airlines, die sowohl Timisoara als auch Arad anfliegen, ist zu erkennen, das sich seit ca. 10 Jahren zunächst Timisoara und seit erst etwa 2 Jahren Arad als Verkehrsflughäfen ernsthaft entwickelt haben. Anzunehmen ist, dass auch Arad auf voraussichtlich die Hälfte der Passagierzahlen, also ca. 500.000 ansteigen kann, die Timisoara bereits heute schon hat. Allerdings wird Arad aufgrund der vorhandenen Cargoflächen bald wesentlich mehr Fracht abfertigen als Timisoara.

Durch die neue Autobahn, die in ca. 2 Jahren hoffentlich fertiggestellt sein wird, können Autos in ca. 30 Minuten, LKW in ca. 45 Minuten problemlos beide Airports erreichen. Sollten beide Airports nun konkurrieren, wird jede Flughafengesellschaft versuchen, möglichst viele Fluggesellschaften für sich zu gewinnen, sowohl für Cargo als auch für Passagiere.
Gleichzeitig konkurrieren die Airlines miteinander und werden versuchen, durch günstige Tarife, akzeptablen Service und marktgerechte Angebote die meisten Passagiere für sich zu gewinnen, dass, wie in Westeuropa, schnell zu einem Verdrängungswettbewerb führen wird. Dies hat dann zur Folge, dass Flughäfen regelrecht erpresst werden und oft dann nur dahin geflogen wird, wo man kein Geld bezahlt sondern Geld bekommt, wo man landet, da man schließlich die Passagierzahlen bringt. Die Folge: Ein ruinöser Wettbewerb auf Kosten vieler Beteiligter, jedoch nicht der Kunden, die ja schließlich meistens möglichst billig, wenn möglich auch umsonst, fliegen möchten.

Bei Konkurrenz zwischen den Airports würden die Passagiere wie die Frachtspediteure dann jeweils von dem Flughafen fliegen, der gerade das billigste Angebot hat plus den Preis, der das Autobahnpendeln zwischen Arad und Timisoara (bei 60 km doch relativ gering) ausmacht. Beide Airpots wären erpressbar und könnten oft nur durch öffentliche Gelder (sprich Steuergelder) überleben und ihre Investitionen durchführen. Man sieht das schon an der Fluggesellschaft Blue Air, die im Winter 2004/05 zunächst nach Timisoara und jetzt aus Kostengründen nach Arad fliegt. Die Fluggesellschaft Ryanair wollte vom Arader Flughafen solche Preisnachlässe haben, dass der Kreisratspräsident Iosif Matula sie nach Hause schickte und im September 2008 ganz auf diese, zu Lasten von Gästen, verzichtete, da er rechtzeitig das böse Spiel erkannte.

Timisoara, durch Wirtschaftskrise und Arad unter Druck, holte sich den Billigcarier Wizzair ins Haus, um kräftig zu wachsen und gegen Arad zu konkurrieren. Leider, dies auf Kosten der Carpatair, die Timisoara seit 10 Jahren groß gemacht hat, aber auf Konkurrenzstrecken niemals diese Preise anbieten kann und nun zu kämpfen hat. Behandelt man so jemanden, der einem seit 10 Jahren aus der Patsche geholfen hat und überhaupt bekannt und groß gemacht hat, Gelder für Landegebühren und die anfangs notwendigen postkommunistischen Investitionen brachte?

Dazu sei gesagt: Die Hauptstädter aus Bukarest scheinen doch recht zu haben aufgrund ihrer Erfahrungen mit Otopeni und Baneasa. Otopeni hatte im Jahr 2008 ca. 5 Millionen Gäste, Baneasa ca. 1,8 Millionen. Aufgrund des Konkurrenzkampfes hatte Otopeni jedoch nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent, während Baneasa mit 80,2 Prozent fast das alleinige Wachstum aufwies in einer Zeit, wo es für Bukarest so richtig wirtschaftlich "abging". Zudem liegt Baneasa zentraler und wurde bis heute der einzige rumänische Flughafen, der an der Grenze seiner Kapazität operiert. Die Fluggesellschaft Air Berlin bekam keine Landerechte mehr und Easyjet zog sich bereits letztes Jahr nach Otopeni zurück. Durch die Pleiten der Fluggesellschaften Skyeurope und myair wurden Verkehrsrechte für Blue Air und Wizzair frei, jedoch fehlen jetzt zwei Wettbewerber. Vernünftig ist hier nur eine Kooperation, zumal Baneasa in bebautem Stadtgebiet liegt und auch VIP Flüge nach Baneasa wollen.

Für das Banat hat die Kooperation beider Flughäfen viele Vorteile:
1.) Vernünftige Verkehrsaufteilung
2.) Keine Subventionen durch Steuergelder zu Lasten der öffentlichen Hand
3.) Faire Preise, jedoch keine Nulltarifpreise, denn diese zahlt meist der Steuerzahler
4.) Keine Verkehrsverzerrungen
5.) Lärm und Emissionsteilungen (da gerade bei Arad Teile des Anfluges direkt über die Stadt gehen)
6.) Privatwirtschaftlich erwirtschaftetes Geld und Investitionen in die Infrastruktur
7.) Echter Passagierverkehr und kein künstlich durch Preise herbeigeführter. Für einen Euro fliegt (fast) jeder, für 150,- nur der, der wirklich fliegen will/muss!
8.) Bessere Planungssicherheit für beide Airports und echte Umwelteffizienz

So entwickelt sich echtes Wachstum nach dem tatsächlichen Bedarf und beide Flughäfen wachsen profitabel und nicht nur um zu wachsen, ohne etwas zu verdienen."
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