zoro.ro - logo
Rumänien Online Kurier
Aktuelles aus Wirtschaft, Politik und Kultur
 
 
Copyright Impressum Kontakt
 
   
Nachrichten:

Mittwoch, 06. Feb. 2013

Geschäftsführervergütung: Immer noch Streit um die Rentenversicherung

 
Die von Geschäftsführern geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge sind seit Längerem Gegenstand einer kontinuierlichen Debatte, insbesondere nach der Änderung des Steuergesetzbuchs bezüglich der Sozialversicherungsbeiträge durch die Dringlichkeitsverordnung Nr. 125/2011. Es folgt eine Übersicht der auf eine Geschäftsführervergütung geschuldeten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und der Auslegungsschwierigkeiten in diesem Bereich.

Einkommensteuer

Steuerlich wird die Geschäftsführervergütung den Gehaltseinkünften gleichgestellt und unterliegt somit der Einkommensteuer i.H.v. 16 Prozent. Die Einkommensteuer wird wie bei Arbeitnehmern durch die Gesellschaft einbehalten und abgeführt. Der Geschäftsführer hat keine Verpflichtungen in diesem Zusammenhang.

Krankenversicherung

Die Geschäftsführervergütung unterliegt Krankenversicherungsbeiträgen i.H.v. 5.5 Prozent auf Ebene des Geschäftsführers und i.H.v. 5.2 Prozent auf Ebene der Gesellschaft. Die Bemessungsgrundlage für den Geschäftsführer ist das Bruttoeinkommen; auf Ebene der Gesellschaft die Gesamtheit der Bruttoeinkünfte der beschäftigten versicherten Personen (mit Ausnahmen). Zusätzlich schuldet die Gesellschaft einen Beitrag i.H.v. 0.85 Prozent für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Bemessungsgrundlage hierfür ist die Gesamtheit der Bruttoeinkünfte der beschäftigten versicherten Personen (auch hier mit bestimmten Ausnahmen), begrenzt auf 12 Mindestgehälter. Das landesweite Bruttomindestgehalt für das Jahr 2012 betrug 700,00 RON.
Die Krankenversicherungsbeiträge (des Geschäftsführers und der Gesellschaft) sowie der Beitrag für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden durch die Gesellschaft einbehalten und abgeführt.

Rentenversicherung

Der auf die Geschäftsführervergütung anfallende Rentenversicherungsbeitrag ist eine Quelle größter Verwirrung bei Gesellschaften und Geschäftsführern. Dies liegt an dem Widerspruch zwischen Steuergesetzbuch und Rentengesetz Nr. 263/ 2010 und den unterschiedlichen Ansichten der zuständigen Behörden diesbezüglich.
So sind gemäß Art. 6 Abs. 1 (IV, a) des Rentengesetzes Personen, die ausschließlich Einkünfte als Geschäftsführer erzielen, von Rechts wegen im Rentenversicherungssystem versichert und somit zur Zahlung des Rentenversicherungsbeitrags verpflichtet, wenn ihre Jahreseinkünfte mindestens das Vierfache des gesetzlichen Durchschnittsbruttoeinkommens betragen. Ferner ist laut Rentengesetz ein Geschäftsführer, der seine Tätigkeit aufgrund eines Geschäftsführervertrages durchführt, persönlich zur Bezahlung des gesamten Rentenversicherungsbeitrags in Höhe von (grundsätzlich) 31.3 Prozent auf das versicherte Einkommen verpflichtet. Allerdings unterliegt gemäß dem Steuergesetzbuch die Geschäftsführervergütung dem Rentenversicherungsbeitrag genauso wie das Gehalt eines Arbeitnehmers; d. h. der entsprechende Beitrag ist einerseits in einen Beitrag der Gesellschaft (i.H.v. 20.8 Prozent) und einen Beitrag des Geschäftsführers (d.h. 10.5 Prozent) aufzuteilen und andererseits durch die Gesellschaft einzubehalten und abzuführen. Dieser krasse Widerspruch wurde zur allgemeinen Verwirrung von den Behörden (Finanzverwaltung einerseits und Rentenkasse andererseits), die die jeweils für sie geltende Spezialregelung für anwendbar erklärten, ergänzt.

Obwohl der Gesetzwiderspruch nach fast einem Jahr noch nicht behoben wurde, tendieren Gesellschaften in der Praxis eher zur Anwendung des Steuergesetzbuchs. Dies ist u. E. aus den folgenden Gründen richtig:
- es gibt eine Bestimmung im Steuergesetzbuch, wonach dessen Vorschriften Vorrang gegenüber anderen Rechtsakten genießen;
- seit dem 01.07.2012 ist die Zuständigkeit für die Verwaltung der Sozialversicherungsbeiträge für einige Kategorien von Personen (z.B. Freiberufler, sog. PFA, u.a) zur ANAF (Nationale Agentur in Steuersachen) übergegangen. Die starre Haltung der Rentenbehörden, die diese noch zu Jahresbeginn inoffiziell vertragen, weicht derzeit daher auf und wechselt, so unsere Erfahrung, langsam hin zu der Anwendung des Steuergesetzbuchs für die Geschäftsführervergütung.

Fazit
Bis auf den Rentenversicherungsbeitrag bietet die Geschäftsführervergütung keine wesentlichen Probleme. Seit Jahresbeginn erwarten Gesellschaften und Geschäftsführer aber eine eindeutige Klärung des Widerspruches zwischen Renten- und Steuergesetz. Bedauerlicherweise wurden solche Änderungen nicht vorgenommen, so dass in der Praxis die Betroffenen ihre Verhaltensweise in der Regel nach der Rechtsansicht der zuständigen Behörde ausrichten. Obwohl u. E. ein Trend hin zur Anwendung des Steuergesetzbuches erkennbar ist, liegt eine einheitliche Behördenpraxis noch fern. Nach wie vor herrscht keine volle Rechtssicherheit.

Ein Beitrag von Carmen Rădulescu, Avocat (Rechtsanwältin)

Kontakt und weitere Informationen:

STALFORT Legal. Tax. Audit.
Bukarest - Sibiu - Bistrita - Berlin
Büro Bukarest:
Tel.: +40 - 21 - 301 03 53
Fax: +40 - 21 - 315 78 36
E-Mail: bukarest@stalfort.ro
Web: www.stalfort.ro

Druckversion
Nachgefragt:
Deutsche Delegierte: Am Rande eines Festivals notiert...
Nachgefragt zu: Johannis-Wahl
Nachgefragt zu: Arbeitsmarkt braucht Qualifizierte
Nachgefragt zu: Mediziner-Exodus nach Deutschland
mehr aus der Rubrik
Wirtschaft:
Österreichische Wirtschaft: großes Wachstumspotential in Rumänien. Wunsch nach besserer
Mehr Investition, höhere Löhne
2015: Mehr Existenzgründungen
IKEA baut
mehr aus der Rubrik
Auto und Verkehr:
Rumäniens Straßen mit vielen Schrottkisten
Fast 100 km Autobahn
Regierung streicht Umgehungsstraße für Timisoara
PkW-Markt legte zu
mehr aus der Rubrik
Rechtliches:
Verträge und entsprechende Zuschüsse zur Mitarbeiterbindung
Irreführende und vergleichende Werbung
Erneuerbare Energien - Erhalt von Betriebsaufnahmegenehmigungen erschwert
Arbeitsrecht: Gerichte dürfen Disziplinarmaßnahmen ersetzen
mehr aus der Rubrik