zoro.ro - logo
Rumänien Online Kurier
Aktuelles aus Wirtschaft, Politik und Kultur
 
 
Copyright Impressum Kontakt
 
   
Nachrichten:

Donnerstag, 05. Jul. 2012

Die Pflicht zur Festlegung von Bilanzierungsmethoden durch Unternehmen

 
Bilanzierungsmethoden (rum: politici contabile) stellen Grundsätze, Grundlagen, Konventionen sowie spezifische Regeln und Verfahrensweisen dar, die ein Unternehmen bei der Aufstellung seiner Jahresabschlüsse anwendet. Die Internationalen Rechnungslegungsstandards (d.h. IAS 8) legen das Erfordernis der Erstellung eines Verfahrenshandbuches durch die Unternehmen fest. Hierin sind die damit im Zusammenhang stehenden Vorgänge, beginnend mit der Erstellung von Nachweisunterlagen bis zur Erstellung von Jahresabschlüssen, zu beschreiben.

Auch die rumänischen Rechnungslegungsvorschriften verpflichten Unternehmen zur Ausarbeitung eines Handbuchs der eigenen Bilanzierungsmethoden (rum. manual de politici contabile). Dieses ist vom Geschäftsführer jeder Gesellschaft zu genehmigen. Die Pflicht wird durch Art. 10 der Anordnung 3055/2009 zur Genehmigung der an die europäischen Richtlinien harmonisierten Rechnungslegungsvorschriften festgelegt. Beispiele der Festlegung von Bilanzierungsmethoden sind:

- die Wahl der Methode zur Abschreibung von Anlagevermögen;
- die Wahl der Bewertungsmethode für Sachanlagen (zu historischen Kosten oder alternativ durch Neubewertung zum Marktwert);
- Aktivierung von Fremdkapitalkosten oder deren Erfassung als Aufwand;
- die Wahl der Methode zur Bewertung der Vorräte;
- die Art und Weise der Führung der Lagerbuchhaltung (permanente Inventur oder Stichtagsinventur);
- die Art und Weise des Ausweises von Überschusswerten aus der Neubewertung von Sachanlagen.

Das Erfordernis solcher Erläuterungen ergibt sich nicht nur aus den Rechtsvorschriften, sondern besteht auch aus praktischer Sicht, da es ein Bedürfnis nach der Festlegung der Voraussetzungen, unter denen bestimmte Vorgänge mit buchhalterischer Auswirkung stattfinden, gibt. Nicht zuletzt sind sie erforderlich, weil die buchhalterischen Informationen den Beschlüssen der Geschäftsführer und Gesellschafter zugrunde liegen.

Praktische Aspekte der Bilanzierungsmethoden

Die Ausarbeitung der Bilanzierungsmethoden erfolgt zum Zweck, nach außen anhand der Jahresabschlüsse Informationen zu übermitteln, welche:

(a) für die Bedürfnisse der Adressaten bei der Beschlussfassung relevant und

(b) glaubwürdig in folgendem Sinne sind:

- sie beschreiben wahrheitsgetreu die Finanz- und Ertragslage;
- sie sind neutral, d.h. unparteiisch;
- ihre Grundlage entspricht dem Vorsichtsprinzip;
- sie sind in allen wesentlichen Hinsichten vollständig;
- sie wiederspiegeln den wirtschaftlichen Gehalt, nicht nur die Rechtsform der Ereignisse und Geschäfte.

Bei der Aufstellung der Bilanzierungsmethoden müssen die buchhalterischen Grundsätze und Kernkonzepte beachtet werden. Desweiteren müssen die Bilanzierungsmethoden regelmäßig aktualisiert werden, damit sie den geltenden Regelungen und der laufenden Tätigkeit des Unternehmens entsprechen.

Änderungen der Bilanzierungsmethoden

Die Änderung der Bilanzierungsmethoden ist nur erlaubt, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben wird oder wenn dadurch die Geschäfte des Unternehmens angemessener und zuverlässiger dargestellt werden. Die Änderung der Bilanzierungsmethoden erfolgt nur mit Bezug auf künftige Zeiträume, und zwar beginnend mit dem Geschäftsjahr, das demjenigen der Beschlussfassung über die Änderung der Bilanzierungsmethoden folgt. Die Änderung kann nur ab Beginn eines Geschäftsjahres vorgenommen werden.

Etwaige Änderungen der Bilanzierungsmethoden muss das jeweilige Unternehmen in den Anmerkungen zum Jahresabschluss mitsamt den Gründen für deren Einführung ausdrücklich benennen, damit die Adressaten die Angemessenheit der neuen Bilanzierungsmethoden, deren Auswirkung auf das Periodenergebnis sowie die tatsächliche Tendenz der Geschäftstätigkeit beurteilen können.

Sanktionen

Hinweise für die Ausarbeitung von Bilanzierungsmethoden sind in der Dringlichkeitsverordnung Nr. 37/2011 zur Änderung und Ergänzung des Buchhaltungsgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften enthalten. Gemäß Art. 41 Abs. 2 lit. a) des Buchhaltungsgesetzes Nr. 82/1991 wird die Nichteinhaltung der Regelungen des Finanzministeriums bezüglich der Genehmigung der gesetzlich vorgeschriebenen Bilanzierungsmethoden als Verstoß angesehen und gemäß Art. 42 desselben Gesetzes mit einer Geldbuße zwischen 300 und 4.000 Lei geahndet.

Fazit

Die Ausarbeitung eigener Bilanzierungsmethoden ist für alle Unternehmen verbindlich, auch wenn diese Verpflichtung oft vernachlässigt wird. Dabei unterscheidet sich lediglich deren Ausmaß je nach der Größe des jeweiligen Unternehmens. Bei kleinen Unternehmen, die in absehbarer Zukunft keine Erweiterung oder Änderung des Unternehmensgegenstandes beabsichtigen, ist das zu erstellende Handbuch der Bilanzierungsmethoden überschaubar.

Ein Beitrag von Amalia Băniceru, Chartered Accountant, Auditor

Kontakt und weitere Informationen:

STALFORT Legal. Tax. Audit.
Bukarest - Sibiu - Bistrita - Berlin
Büro Bukarest:
Tel.: +40 - 21 - 301 03 53
Fax: +40 - 21 - 315 78 36
E-Mail: bukarest@stalfort.ro
Web: www.stalfort.ro
Druckversion
Nachgefragt:
Deutsche Delegierte: Am Rande eines Festivals notiert...
Nachgefragt zu: Johannis-Wahl
Nachgefragt zu: Arbeitsmarkt braucht Qualifizierte
Nachgefragt zu: Mediziner-Exodus nach Deutschland
mehr aus der Rubrik
Wirtschaft:
Österreichische Wirtschaft: großes Wachstumspotential in Rumänien. Wunsch nach besserer
Mehr Investition, höhere Löhne
2015: Mehr Existenzgründungen
IKEA baut
mehr aus der Rubrik
Auto und Verkehr:
Rumäniens Straßen mit vielen Schrottkisten
Fast 100 km Autobahn
Regierung streicht Umgehungsstraße für Timisoara
PkW-Markt legte zu
mehr aus der Rubrik
Rechtliches:
Verträge und entsprechende Zuschüsse zur Mitarbeiterbindung
Irreführende und vergleichende Werbung
Erneuerbare Energien - Erhalt von Betriebsaufnahmegenehmigungen erschwert
Arbeitsrecht: Gerichte dürfen Disziplinarmaßnahmen ersetzen
mehr aus der Rubrik