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Samstag, 26. Mai. 2012

Die Rolle von Rücklagen bei der Aufstellung der Jahresabschlüsse

 
Bei der Aufstellung der Jahresabschlüsse stellt sich oft die Frage nach der Bildung von Rücklagen aus den erzielten Gewinnen oder der Verwendung von Rücklagen zur Deckung von Verlusten. Aus aktuellem Anlass erfolgt an dieser Stelle eine kurze Beschreibung.

Grundlagen

Rücklagen sind Elemente des Eigenkapitals und werden in der Bilanz als Passivposten ausgewiesen. Sie reflektieren ein aus diversen Gründen eingetretenes Vermögenswachstum der Gesellschaft. Rücklagen werden grundsätzlich "in guten Zeiten", gebildet und dann verwendet, wenn Verluste eintreten, deren Deckung erwünscht oder notwendig ist.

In der Buchhaltung einer Gesellschaft können mehrere Arten von Rücklagen auftreten. Der rumänische Kontenplan sieht dementsprechend spezifische Konten für deren Ausweis vor, die in folgende wichtige Kontenarten gegliedert sind:

104 - Kapitalrücklagen (prime de emisiune)
105 - Neubewertungsrücklagen (rezerve din reevaluare)
106 - Rücklagen i. e. S. (rezerve)

Anmerkung: Wir haben die in Deutschland üblichen Begriffe verwendet, obwohl deren Verständnis nicht deckungsgleich ist.

Kapitalrücklagen

Kapitalrücklagen werden nur aus Prämien (Emissionsprämien bei der Ausgabe neuer Geschäftsanteile, Prämien bei Fusionen, Spaltungen, Einlagen oder ähnlichen Vorgängen) gebildet. Anders als z. B. in Deutschland geregelt, können keine direkten Zahlungen der Gesellschafter in die Kapitalrücklagen erfolgen.

Da Rücklagen dieser Art aus dem Kapital gebildet werden, stellen sie eine Finanzierungsquelle dar und generieren grundsätzlich keine steuerlichen Auswirkungen.

Sie werden auf Grundlage von Gesellschafterbeschlüssen insbesondere zur Deckung von Verlusten oder zur Umwandlung in Stammkapital verwendet.

Neubewertungsrücklagen

Die rumänischen Rechnungslegungsvorschriften basieren auf dem Grundsatz der wahrheitsgetreuen Darstellung des Vermögens (fair view) und den Regelungen der alternativen Bewertung. Sie sehen daher eine regelmäßige Neubewertungspflicht für das Anlagevermögen vor. Bei Neubewertungen wird der in der Buchhaltung ausgewiesene Anschaffungspreis des Anlagevermögens durch den aus der Neubewertung hervorgehenden Wert ersetzt, was auf der Aktivseite der Bilanz ein Vermögenswachstum bewirkt. Im Gegenzug werden auf der Passivseite positive Wertdifferenzen als Neubewertungsrücklagen eingestellt und anhand des Kontos 105 (vgl. o.) separat ausgewiesen.
Die Neubewertungsrücklage unterliegt steuerlich einer speziellen Behandlung mit Auswirkungen auf deren Verwendung. Diese werden in einem gesonderten Beitrag dargestellt.

Rücklagen i.e.S. (Gewinnrücklagen)

Nach deutschem Verständnis sind dies Gewinnrücklagen. Hierzu gehören die gesetzliche Rücklage, die satzungsmäßigen oder vertraglichen Rücklagen und sonstige Rücklagen aus Gewinnen der Gesellschaft.

Erwähnenswert ist insbesondere die gesetzliche Rücklage, die zwingend zu bilden ist: aufgrund Art. 183 des Gesetzes 31/1990 sind Handelsgesellschaften verpflichtet, jährlich mindestens 5 Prozent der Gewinne der gesetzlichen Rücklage zuzuweisen, bis diese mindestens ein Fünftel des Stammkapitals erreicht. Verringert sich dieser Reservefonds, muss er entsprechend ergänzt werden.

Erscheint die gesellschaftsrechtliche Bestimmung auf den ersten Blick simpel, so müssen zu ihrer sinnvollen und steuerlich günstigen Umsetzung doch Sondervorschriften zur Rechnungslegung sowie zum Steuerrecht beachtet werden.

Aus steuerlicher Sicht ist die gesetzliche Rücklage begrenzt absetzbar. Zunächst ist lediglich ein Anteil von 5 Prozent absetzbar, angewandt auf den buchhalterischen Gewinn vor Ermittlung der Steuern, abzüglich der nicht steuerbaren Einkünfte und zuzüglich der Aufwendungen, die diesen nicht steuerbaren Einkünften entsprechen. Diese Bemessungsgrundlage kommt dem Begriff "Gewinn vor Steuern" nahe. Die Absetzbarkeit dieses Betrages ist darüber hinaus auf maximal ein Fünftel des gezeichneten und eingezahlten Stammkapitals beschränkt.

Art. 22 Abs. 6 des Steuergesetzbuches sieht ein Verbot zur Verwendung der gesetzlichen Rücklagen zu Stammkapitalerhöhungen oder zur Deckung von Verlusten vor. Ein Verstoß wird steuerlich sanktioniert: wird die gesetzliche Rücklage entgegen dem o. g. Verbot verwendet, besteht bei ihrer nachträglichen Ergänzung im Rahmen der Gewinnermittlung keine steuerliche Abzugsfähigkeit mehr.

Fazit

Rücklagen stellen ein Vermögenswachstum der Gesellschaft und eine wichtige Finanzierungsquelle aus eigenen Mitteln dar. Die Begriffe und rechtlichen Grundlagen dafür weichen von den deutschen Regelungen ab. Über die Verwendung entscheiden grundsätzlich die Gesellschafter durch Gesellschafterbeschluss. Vor Bildung, Verwendung und Auflösung von Rücklagen sind stets die steuerlichen Auswirkungen zu analysieren.

Ein Beitrag von Adina Zdru, Tax Advisory Services

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