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Dienstag, 10. Aug. 2010

WAZ will Rumäniengeschäft verkaufen

 
Die WAZ-Verlegergruppe will sich aus Südosteuropa zurückziehen, diese Nachricht hat Anfang des Monats auch in Rumänien für Schlagzeilen gesorgt. Speziell auf Rumänien bezogen, sprach der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach in einem Interview mit DW-WORLD.DE von einer "deutlichen Marktverzerrung" durch Geschäftsleute, die ihr Vermögen in anderen Bereichen machen und denen auch die Meine gehören. "Sie investieren große Summen in die besondere Preisgestaltung, in Gewinnspiele oder Anderes, um ihre Auflage zu optimieren. Damit verzerren sie den Markt, weil sie die Medien für andere Bereiche benutzen", sagte Hombach.

In Rumänien habe eine seriöser Geschäftsmann der WAZ-Gruppe ein Angebot gemacht, in Serbien haben schwerwiegende Auseinanersetzungen auch mit hohen Regierungsstellen den Rückzug mitbestimmt und in Bulgarien schaue man sich "ganz nüchtern die Zahlen, die Interessen und die Entwicklungsmöglichkeiten an", sagte Hombach im Interview mit der Deutschen Welle.


07.08.2010:
WAZ zieht sich nicht vom Balkan zurück
Der Rückzug der WAZ-Gruppe aus Serbien hat für Wirbel gesorgt. Nun hieß es, die Mediengruppe wolle den ganzen Westbalkan verlassen. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach hat dies im Interview mit DW-WORLD.DE dementiert.

DW-WORLD.DE: Die Presse hat darüber berichtet, dass die WAZ-Gruppe bereit sei zum Ausstieg aus dem südosteuropäischen Markt.

Bodo Hombach: Meine Kritik bezieht sich auf die schwerwiegenden Auseinandersetzungen, die wir in Serbien haben. Da haben wir beschlossen, auszusteigen. Auch der Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister hat öffentlich erklärt, dass eine Mediengruppe, die das Land kritisiert, keinen Platz in Serbien hätte. Ich habe ihm öffentlich geantwortet, dass wir ihm diesen Gefallen tun können. Wir werden uns zurückziehen.

Das ist aber ein geordneter Rückzug und keine Flucht. Wir hinterlassen nicht unser Vermögen, sondern wir wollen ordentlich und seriös verkaufen. Und wir erwarten, dass dabei Rechtsstaatlichkeit und vernünftige Kriterien angewandt werden. All das hat mit unseren übrigen Aktivitäten in Südosteuropa überhaupt nichts zu tun. Man kann die Lage in den einzelnen Ländern auf keinen Fall über einen Kamm scheren. Die Märkte sind verschieden.

Es kursieren zurzeit Gerüchte über einen baldigen Verkauf der auflagenstarken bulgarischen Tageszeitungen "24 Stunden" und "Trud". Stimmt das?

Das sind eben Gerüchte, die immer wieder auf dem Markt verbreitet werden. Auch Leute, die kaufen wollen, produzieren solche Gerüchte. Aber davon lassen wir uns nicht beeinflussen. Wir gucken uns ganz nüchtern die Zahlen, die Interessen und die Entwicklungsmöglichkeiten an, und dann beurteilen und diskutieren wir das. Wir müssen darüber hinaus intensiv mit unserem Partner, der EBRD, in London reden, die mit nahezu 20 Prozent in Südosteuropa beteiligt ist. Da müssen wir Strategien und Überlegungen abstimmen.

Die engen Verflechtungen zwischen Oligarchen, Macht und Medien vergiften den Markt, haben Sie gesagt. In einigen Ländern in Südosteuropa gibt es kaum noch faire Wettbewerbsbedingungen, schreibt das "Handelsblatt". Wie sieht das in Bulgarien und Rumänien aus?

Ich habe bereits deutlich gemacht, dass man die Länder nur ganz schwer oder gar nicht vergleichen kann. Das Schlimmste, was man machen könnte, ist, die Länder pauschal über einen Kamm zu scheren. Ich habe erläutert, warum wir in Rumänien den Plan haben, unsere Beteiligung an einen rumänischen Partner abzugeben. In Rumänien erlebe ich eine deutliche Marktverzerrung. Das heißt, Geschäftsleute, die ihr Vermögen in anderen Bereichen machen, denen gehören auch Medien. Sie investieren große Summen in die besondere Preisgestaltung, in Gewinnspiele oder Anderes, um ihre Auflage zu optimieren. Damit verzerren sie den Markt, weil sie die Medien für andere Bereiche benutzen. Medienunternehmer, die ein seriöses Geschäft machen, können nur schwer bestehen. Diesen Vergleich habe ich auf unseren rumänischen Aufstieg angewandt.

Ganz generell muss man sagen, dass in allen Ländern, auch in Westeuropa, die Gefahr besteht, dass der klassische Verleger, der einzig und allein Medien verlegt, zur Seltenheit wird. Immer mehr große Unternehmen steigen in den Medienmarkt ein und betreiben quasi nebenbei die Medien. Das ist eine Entwicklung, die wir sehr aufmerksam beobachten müssen.

Wie schätzen Sie die Lage der Medienfreiheit in Serbien ein?

In Serbien geht es um die Frage, ob sich demokratische, rechtsstaatlich orientierte Politiker, die auch in Richtung EU schauen, durchsetzen und geordnete Verhältnisse schaffen. Oder ob sich ein Oligarch einfach damit durchsetzt, dass er sich nicht an Verträge hält.

Sie kritisieren die Oligarchen. Werden aber nicht genau diese Oligarchen Ihre Anteile erwerben, wenn Sie in Serbien und Rumänien verkaufen?

In Rumänien hat uns ein sehr seriöser Kaufmann ein Angebot gemacht. Er hat schon bewiesen, dass er verlegerisch völlig verantwortungsvoll handelt. Und unsere Verkaufsgespräche in Serbien führen wir mit anderen. Keiner von ihnen, gehört in diese Gruppe der Marktverzerrer.

Wie ist der Stand in Serbien? Es heißt, in Serbien redet man im Moment nicht über den Rückzug der WAZ?

Das mag sein. Das hängt mit der serbischen Medienlandschaft zusammen. Wenn Zeitungen den Oligarchen gehören, dann kritisieren sie Oligarchen nicht. Ich habe schon so viel Unsinn in Serbien über unsere Entscheidung gelesen. Das ist unfassbar. Diese Medienlandschaft ist zum Teil katastrophal und da schließe ich gar nicht aus, dass bestimmte Nachrichten einfach gar nicht veröffentlicht werden. Das würde mich gar nicht wundern.

Interview: Mariya Ilcheva
Redaktion: Mirjana Dikic/ Nicole Scherschun
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